Pfarrer Georg Fetsch

Begleitung erfahren

Eine Bibelgeschichte, die zum Ostergeschehen gehört, ist die Erzählung von der Erscheinung Jesu auf dem Weg nach Emmaus (Lk 24,13-35). Hier wird von zwei Jüngern berichtet, die nach Leiden und Tod Christi aus Jerusalem wegziehen und sich auf den Weg zurück in ihr Heimatdorf Emmaus machen. Unterwegs treffen sie einen Fremden, der mit ihnen ins Gespräch kommt. Er fragt sie, was sie miteinander reden. Die Jünger berichten ihm von der Sache mit Jesus, dem sie vertraut hatten und der nun den Tod am Kreuz erleiden musste. Der vermeintliche Fremde, der in Wirklichkeit der auferstandene Jesus ist, beginnt ein Gespräch. Er zeigt sich verständnisvoll. Er erklärt ihnen, dass all die Geschehnisse in Jerusalem so sein mussten, weil sich damit die Prophezeiungen des Alten Testaments erfüllten, die den Messias ankündigen. Das Gespräch mit dem scheinbaren Fremden tut den Jüngern gut. Sie möchten, dass der Mann die Nacht über bei ihnen bleibt. Dieser stimmt zu. Vor dem Zu-Bett-Gehen verzehren sie noch ein einfaches Mahl. Als der Fremde das Brot bricht, erkennen die Freunde, dass es Jesus ist, der mit ihnen ging und nun bei ihnen ist. Im gleichen Augenblick entschwindet er ihren Blicken.

Die Geschichte sagt mir, was es für Menschen bedeuten kann, Begleitung zu erfahren. Allein oder mit Personen, die vom gleichen Leid betroffen sind, ist man in der Gefahr, mit den Gedanken immer um die gleiche Sache zu kreisen. Man fragt sich hundertmal: Warum ist dies und jenes passiert? Hätte ich das nicht verhindern können? Habe ich etwas falsch gemacht? Begleitung durch andere Menschen hilft, aus dem Gedankenkreislauf auszubrechen und neue Perspektiven zu erhalten. Den Emmaus-Jüngern geht es nach dem Gespräch mit Jesus besser. Sie können die Ereignisse, die ihnen Leid und Schrecken verursachten besser einordnen. Sie sagen: „Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete …?“ (Lk 24,32b). Es ist also eine wahre Herzensangelegenheit, die Begleitung guter Menschen zu erfahren!