Pfarrer Georg Fetsch

In die Tiefe gehen

Am 23 Januar 1960 stellte der Tiefseeforscher Jacques Piccard (1922‒2008) gemeinsam mit seinem Partner Don Walsh (geb. 1931) einen beeindruckenden Rekord auf. Mithilfe seines Spezial-U-Boots „Trieste“ tauchte er in einem Meeresgraben bis in eine Tiefe von 10.912 Meter. Unglaublich, welche Kräfte dort auf die Ausrüstung wirken. Eine undurchdringliche Dunkelheit herrscht. Es ist eine für uns total lebensfeindliche Welt, in der es trotzdem noch Lebewesen gibt: bizarre Kreaturen, unbekannte Arten, die vorher noch nie ein Mensch gesehen hat. So eine Pionierleistung verdient alle Hochachtung!

Von „Tiefgang“ sprechen wir auch, wenn es um das Gemütsleben geht. Es gibt Menschen, die allem auf den Grund gehen möchten, die sich nicht mit oberflächlichen Erklärungen zufriedengeben. Sie stellen sich Fragen wie: Woher kommen wir Menschen und wo gehen wir hin? Was ist der Sinn des Lebens? Wie ist die Welt und alles, was in ihr lebt, entstanden? Wie lange wird sie noch existieren? Mit solchen Dingen beschäftigt sich auch die Wissenschaft. Es gibt zahlreiche Theorien und Themen, über die gearbeitet wird, die in vereinfachter Form in Fernsehsendungen, im Internet oder in der Literatur auch einem breiteren Publikum zugänglich sind.

Je mehr man sich aber bemüht, den Dingen auf den Grund zu gehen, desto mehr entziehen sie sich nicht selten. Diese Erfahrung machten schon viele. Man kann bei der Ahnensuche weit zurückgehen. Irgendwann verlieren sich die Spuren, wenn keine Dokumente und Aufzeichnungen mehr vorliegen. Man kann die Weite und den Ursprung des Weltalls erforschen. Es gibt einmal einen Punkt, an dem man nicht weiterkommt. Dann ist man auf das Religiöse verwiesen und den Glauben an einen Schöpfergott, der alles ins Leben gerufen hat. Im Jahr 2019 wurde der Rekord von Jacques Piccard von dem Entdecker Victor Vescovo (geb. 1966) um 16 Meter übertroffen, aber selbst, wenn man die allertiefste Stelle am Meeresgrund erreichen würde, blieben doch die entscheidenden Fragen offen.