Pfarrer Georg Fetsch

Menschenrechte

Am 10. Dezember 1948 wurde von der UN-Generalversammlung die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ verkündet. Sie sollte nach den beiden großen Weltkriegen ein Meilenstein im Miteinander der Menschheit weltweit sein. Sie ist zwar rechtlich nicht bindet, aber ist es nicht eine Ehrensache, sich an sie zu halten? Das könnte man meinen, doch Kriege gibt es auch heute noch, auch in Europa. Das Idealbild ist wohl für Viele, Menschen wie Staaten, nicht erreichbar.

Idealbilder gibt es auch im christlichen Glauben, die nicht selten von denen, die sie sich auf die Fahnen geschrieben haben, ebenfalls verfehlt worden sind. So ist es gut, sich Worte und Gedanken der Heiligen Schrift wieder neu vor Augen zu führen und für das eigene Leben zu bedenken. In der ersten Lesung des 1. Advent heißt es: „Er wird Recht schaffen zwischen den Nationen und viele Völker zurechtweisen. Dann werden sie Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern. Sie erheben nicht das Schwert, Nation gegen Nation, und sie erlernen nicht mehr den Krieg“ (Jes 2,4). Wer also Gott ernst nimmt, der wird seine Waffe nicht gegen Mitmenschen erheben, sondern mit dem ihm anvertrauten Fähigkeiten Gutes entstehen lassen. Der wird die ihm anvertraute Technik für friedliche Zwecke nutzten, nicht für den Krieg.

Ein weiteres Wort, diesmal aus dem neuen Testament, ist ebenfalls wichtig: „Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein“ (Mk 9,35b). Hier wird die besondere Demut genannt, die einen Menschen auszeichnen soll, der Verantwortung für andere trägt, als Hausvater, als Kleriker, als Staatsmann.

Durch diese Idealbilder wird die eigene Weltsicht hinterfragt. Was kann der Einzelne dafür tun, dass der Gedanke der Menschenrechte gestärkt wird? Die Antwort kann sein, dass es an jedem selbst liegt, gut mit anderen Menschen umzugehen. Das gilt für jede und jeden von uns. Helfen wir also im Kleinen mit, Gerechtigkeit zu schaffen, irgendwann wir es auch im Großen gelingen.