Pfarrer Georg Fetsch

Die kleine Therese

 

Am 19. Oktober 1997 wurde von Papst Johannes Paul II. eine Heilige zur Kirchenlehrerin ernannt, von der man das nie erwartet hätte: die heilige Therese von Lisieux. Mit bürgerlichem Namen hieß sie Marie-Françoise-Thérèse Martin. Sie wurde am 2. Januar 1873 in Alençon in Frankreich geboren und starb mit nur vierundzwanzig Jahren im Jahr 1897 im Karmelkloster von Liesieux. Es war ein Lebenstraum von ihr, dort einzutreten und ein Leben ganz ich Verbindung mit Jesus Christus zu führen. Sie erhoffte sich, als Missionarin ausgesandt zu werden und in fernen Ländern den Glauben weiterzugeben, doch es kam ganz anders. Schon in jungen Jahren wurde Therese schwer krank. Sie war an das Bett gefesselt und auf die Hilfe der Krankenschwester im Kloster angewiesen. So begann sie ihren „kleinen Weg“, der uns in der Form ihrer Tagebuchnotizen überliefert ist. In dieser Unzulänglichkeit und Gebrechlichkeit ihres Lebens zeigte Therese eine besondere Größe. Tapfer nahm sie alles Leiden auf sich, um ganz in der Nähe von Christus zu sein, der mit seinem Kreuz den schweren Weg vorausgegangen ist. So wurde sie ein Vorbild für einen tiefen Glauben, der selbst angesichts des Todes nicht verzagt, sondern voll Hoffnung die Begegnung mit Christus in der ewigen Herrlichkeit erhofft. Wer sollte da besser als Kirchenlehrerin geeignet sein, als so eine Heilige?

Für mich, der ich schon bei kleinen Widerständen ins Überlegen gerate, ob es wohl mit dem Glauben ein sinnvoller Weg ist, sagt das, dass nicht das Große und Laute unbedingt immer das Eigentliche ist, sondern eher das Leise und Verborgene. Wo jemand seinem Mitmenschen mit einem kleinen Lächeln oder einem guten Wort entgegenkommt, entsteht eine Atmosphäre der Liebe und des Friedens, die uns allen so gut tut und nach der sich so viele sehnen. Die heilige Therese hat übrigens gesagt, dass sie nach ihrem Tod Rosen auf die Erde regnen lassen würde. Vielleicht haben uns diese schon erreicht, wenn in uns die Gottes- und Menschenliebe Raum findet.