Pfarrer Georg Fetsch

Das Hohe Friedensfest

„Am 8. August ist Feiertag!“ – Diese Aussage ist für viele gar nicht leicht nachzuvollziehen, doch für die Einwohner einer uns bekannten Stadt ist sie sehr geläufig. Die Augsburger müssen an diesem Tag weder zur Schule noch in die Arbeit, sondern sie feiern ein Fest. Wie das genannt wird, soll auch gleich gesagt sein: Es ist das Augsburger Hohe Friedensfest.
Historisch geht es zurück bis in die Reformationszeit. Nachdem im Jahr 1530 die lutherische Confessio Augustana in Augsburg die Mehrheit hatte, veränderten sich später die Machtverhältnisse wieder. 1555 wurde schließlich der Augsburger Religionsfrieden ausgerufen, der eine Gleichberechtigung der Konfessionen mit sich brachte. Die Protestanten gerieten jedoch während des Dreißigjährigen Krieges wieder unter Druck, der am 8. August 1629 mit dem Verbot, ihren Glauben auszuüben, einen Höhepunkt erreichte. Nach Beendigung dieser Krise wurde 21 Jahre danach, im Gedenken an diesen Tag, nämlich am 8. August 1650, das Augsburger Hohe Friedensfest eingeführt, das auch heute noch jedes Jahr mit den verschiedensten Veranstaltungen und Aktionen gefeiert wird. Seit 1984 beteiligt sich auch die katholische Kirche aktiv daran. Bemerkenswert ist, dass das Fest sogar in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in der Bundesrepublik Deutschland aufgenommen wurde.
Frieden und Miteinander haben zutiefst mit Kultur zu tun und es ist schön, dass es in der Weltgeschichte neben den vielen gewaltsamen Konflikten immer wieder auch Momente des Friedens gegeben hat, wie das Augsburger Hohe Friedensfest bezeugt. Diese Momente sind wie kleine Pflänzchen, die sehr empfindlich sind und viel Glück und Segen brauchen um in Richtung Sonne emporzuwachsen, aber sie sind trotz allem in unserer Lebenswirklichkeit da. „Suche den Frieden und jage ihm nach!“, so ermuntert auch der Psalm 34 dazu, nicht locker zu lassen, sondern aktiv mitzuhelfen, dass so mancher Tag sich zu einem, wenn auch inoffiziellen, Feiertag des Friedens entwickeln kann.