Pfarrer Georg Fetsch

Kleopas

Es ist eine bekannte Geschichte, die da in der Bibel steht: die Episode der Begegnung der Jünger von Emmaus mit dem auferstandenen Jesus (Lk 24,13-35). Und es ist uns zumindest eine der beiden Personen namentlich bekannt: Kleopas (Gedenktag 25. Oktober). Er war mit seinem Gefährten aufgebrochen, um, nach der Kreuzigung Jesu, Jerusalem zu verlassen. Beiden waren Anhänger von Jesus und sie waren sehr enttäuscht. Derjenige, auf den sie ihre ganze Hoffnung setzten, wurde verurteilt und ans Kreuz geschlagen. Er musste sterben. „Nichts wie weg“, dachten sie, „wir haben hier nichts mehr verloren“. Ganz versunken in ihre Trauer, machen sie sich auf den Weg in ihren Heimatort, um dort wieder der früheren Beschäftigung nachzugehen. Doch da passiert etwas völlig Unerwartetes. Dem Duo begegnet ein Mann. Er spricht die beiden an. Er fragt sie, wohin sie gehen. Sie erzählen ihm ihre Geschichte. Sie sind ganz fasziniert. Der Austausch tut ihnen gut. Sie bitten den Mann, sie zu begleiten und bei ihnen zu bleiben. Die Person sagt zu. Sie essen zu Abend. Er bricht das Brot – „das ist mein Leib“, er reicht ihnen den Becher mit Wein – „das ist mein Blut“. Es ist Jesus. Jesus lebt! Kann das sein? Ja! Er ist auferstanden! Da gehen ihnen auf einmal die Augen auf. „Brannte nicht das Herz in unserer Brust?“ Dann ist Jesus verschwunden. Dennoch sind die Jünger voll Freude. Sie kehren nach Jerusalem zurück und erzählen ihren Freundinnen und Freunden, was sie erlebt haben.

Diese Geschichte hat einen kraftvollen Inhalt. Sie kann etwas im Leben bewirken. Nicht selten gibt es da, wie bei Kleopas und seinem Gefährten, Zeiten der Traurigkeit und Unsicherheit, der Kraftlosigkeit, der Schwäche. In solchen Momenten bietet es sich besonders an, auf Jesus zu sehen, der mir, wie den Emmaus-Jüngern, begegnen will. Besonders intensiv spüre ich das bei der Heiligen Messe, beim Empfang der Kommunion. „Denn sie erkannten ihn, als er das Brot brach.“ Da bin ich dann einer wie Kleopas, der nur noch staunen kann.