Pfarrer Georg Fetsch

Mitten im Advent

Kaum hat diese Zeit der Vorbereitung auf Weihnachten begonnen, sind wir auch schon wieder mittendrin, im Advent. Märkte und Feiern, Glühwein und Punsch, Kesselfleisch und Bratwurst, für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt. Da kann man es sich getrost gut gehen lassen. Da macht das Leben Freude. Da entsteht Begegnung mit anderen Menschen. Da trifft man sich. Doch das ist bei weitem nicht alles.
Dass zum Leben auch Gott gehört, dafür steht er eigentlich, der Advent. In diesen Tagen begegnen uns im Jahreskreis der Kirche etliche Heilige, die hier ihren Platz haben. Sie führen hin zu Gott. Irgendwie haben sie alle mit Licht und Wärme zu tun, in dieser winterkalten Zeit. St. Barbara lässt mitten im Winter frische Blüten sprießen. Der heilige Nikolaus erfreut mit seinen Gaben das Herz der Kinder und von manchem Erwachsenen. Die heilige Luzia verspricht Helligkeit und Wärme in den dunklen Dezembernächten.
Die Kirche möchte all diese angenehmen Dinge aufgreifen und in ihrem reichen Repertoire den Menschen anbieten. Bei Rorate-Gottesdiensten herrscht eine ganz eigene Stimmung, am frühen Morgen oder abends, wenn schon die Dunkelheit hereingebrochen ist. Eben erst erwacht, vielleicht noch Schlafes trunken, singen die Gläubigen Lieder, beten und lauschen den biblischen Texten, die von neu erwachendem Leben berichten und vom Weg, den wir Menschen bahnen sollen, damit Jesus in unser Leben kommen kann. An Leben erinnern auch die grünen Zweige, aus denen der Adventskranz dicht gefügt ist, deren Duft so angenehm in die Nase steigt.
Wenn ich so darüber nachdenke, ist eigentlich das ganze Leben Advent. Advent bedeutet Ankunft. In unserem Leben möchte Jesus bei uns ankommen. Er möchte Mut machen, die Sinne für das Wesentliche zu schärfen. Jesus möchte sagen, dass es Sinn macht zu leben, zu lieben, sich zu freuen, mit guten Menschen zusammen zu sein und nicht zu verzagen. Wo das geschieht, da ist Leben mit Gott schon Wirklichkeit. Da ist er angekommen – und das schon mitten im Advent.