Osterglocken im Pfarrgarten
Pfarrer Georg Fetsch

My home is my castle

Der allseits bekannte Ausspruch „My home is my castle”, was so viel heißt wie “Mein zu Hause ist meine Burg” erhält Aktualität in dieser Zeit der Corona-Pandemie. Menschen sind angehalten, daheim zu bleiben. Nur das Notwendigste ist erlaubt: Arzt, Lebensmittel einkaufen, Arbeit. Die Praxis des Homeoffice, wo es möglich ist, gewinnt an Bedeutung. Das hilft mit, die Bedrohung durch das Virus einzudämmen und das Infektionsgeschehen zu verlangsamen. Das hilft, Leben retten in dieser schwierigen Zeit.
Besonders schmerzlich ist das auch in unseren Kirchen zu spüren. Wann hat es das schon einmal gegeben? Nicht einmal an Ostern dürfen Gottesdienste gefeiert werden. Alles was Kirche ausmacht, nämlich Gemeinschaft und Miteinander, kann momentan nicht sein. Alles ist auf das Notwendigste reduziert.
Angesichts dieser Situation könnte man den Satz „My home is my castle“ vielleicht umformulieren und sagen „My home is my church“, „Mein zu Hause ist meine Kirche“. Denn so ist es ja auch. Ostern fällt nicht aus. Es verlagert sich in diesem Jahr nur in den häuslichen Bereich hinein. Es geschieht Gemeinschaft, wenn Gottesdienste am Fernseher oder im Internet mitgefeiert werden, oder wenn am Telefon miteinander geredet wird, wenn sich einer nach dem anderen erkundigt und sich für ihn interessiert. Gemeinschaft geschieht sogar auch dort, wo man einfach aneinander denkt und im Gebet verbunden ist.
So besteht Gemeinschaft mit den Kranken. Wir sind dankbar verbunden mit denen, die im ärztlichen und pflegerischen Dienst sich um sie kümmern. Hochachtung für alle, die in den Geschäften arbeiten, damit die Versorgung aufrecht erhalten bleibt! Danke an alle, die für die Sicherheit sorgen und den Transport von Waren und Nachrichten am Laufen halten sowie in der Seelsorge mit Menschen, die sich Sorgen machen oder Not leiden, meist auf sehr kreative Weise verbunden sind. Das gibt Sicherheit, die auch der Satz „My home is my castle“ vermittlen will und die mich sagen lässt: Frohe Ostern!


Osterglocken

Als ich dieser Tage ein wenig in meinem Garten umhergegangen bin, sind sie mir zum ersten Mal bewusst aufgefallen, die ersten Osterglocken. Ihr sattes Gelb und ihr zartes Weiß erfreuten mich richtig. Endlich gibt es wieder diese bunten Farbtupfer in der Natur. Das ist nicht nur nach einem zu warmen Winter wohltuend, sondern auch in der momentanen Situation, in der wir von der Corona-Pandemie bedrängt sind, von der ich nicht weiß, wie ihr Stand ist, wenn dieser Artikel erscheinen wird. Irgendwie sind diese Blumen ein Zeichen dafür, dass es einen Bereich gibt, der von der weltweiten Katastrophe nicht bedroht ist und immer noch Kraft hat, Menschen Freude zu schenken – trotz allem.

Zurzeit muss vieles, was im alltäglichen Leben immer eine Selbstverständlichkeit war, pausieren. Und das zu Recht, weil es hilft, die Bedrohung durch die Krankheit abzuschwächen. Es gibt keine Konzerte und Sportveranstaltungen. Freizeiteinrichtungen und Schwimmbäder sind geschlossen. Die Gastronomie ist eingeschränkt. In den Kirchen darf es nicht einmal Gottesdienste geben. Das ist diesmal eine Fastenzeit mit einem ganz eigenen Charakter.

Und doch gibt es im religiösen Bereich auch so etwas wie Osterglocken. Auch ihr Wirken ist von der Pandemie unbeeindruckt. Es sind die Kirchturmglocken unserer Kirchen, die trotz allem noch durch den Stundenschlag die Zeit ansagen und durch ihr Läuten Menschen – wenigstens im Geiste – zum Gebet zusammenbringen. Christen aus der evangelischen und den katholischen Gemeinden hier in Peißenberg und Umgebung beten gemeinsam beim Geläut der Glocken das Vaterunser, das alle Christen verbindet und ein Gebet in schweren Zeiten, das die Not unserer Tage aufgreift. Dabei denken sie an alle, die in diesen Tagen besonders beeinträchtigt sind, die älteren Menschen, die Kranken und Leidenden. So dürfen alle Menschen Hoffnung haben, dass trotz allem Ostern wird, das Fest der Auferstehung, für das die Osterglocken in der Natur und am Kirchturm ein eindrucksvolles Zeichen sind.