Pfarrer Georg Fetsch

Anna und Joachim

Können Sie sich an Ihre Großeltern erinnern? Manche können auf diese Frage wie selbstverständlich mit Ja antworten, andere müssen überlegen und sich geistig in ihre Kindheit zurückversetzen, wieder anderen wird bewusst, dass sie Großelternteile nicht persönlich gekannt haben, da diese Personen schon früh gestorben sind.

Wie ginge es wohl Jesus mit der Frage? Ob er selbst seine Großeltern gekannt hat, ist fraglich. Und auch wir haben lediglich eine Ahnung von seinen Großeltern mütterlicherseits: Die heiligen Anna und Joachim (Gedenktag 26. Juli) sind die Eltern von Maria, der Mutter Jesu. Sie kommen nicht in der Bibel vor. Von ihnen berichten jedoch außerbiblische Texte, die erhalten geblieben sind.

Trotz spärlicher Quellenlage, ist anzunehmen, dass diese heiligen Großeltern einen nicht geringen Anteil daran hatten, dass der Sohn Gottes in unsere Welt kommen konnte. In ihrer Obhut wurde Maria geboren und erzogen. Die kirchliche Lehre sagt, dass sie schon vom ersten Augenblick ihrer Existenz im Mutterleib an frei von der Erbsünde war. Sie genoss durch Anna und Joachim eine Erziehung, die sie zu Gott hinführte. So konnte sie für den Anruf Gottes offen sein und dem Engel im Verkündigungsbericht antworten: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1,38).

Wenn wir von Anna und Joachim reden, sehen wir auf die Großeltern unserer Tage. Nicht selten pflegen sie eine tiefe Verbundenheit mit Kindern und Enkeln, die auch mit Sorgen verbunden ist, wegen der unsicheren Zukunft. Hier kann das Beispiel der Heiligen Familie helfen. Es regt Großeltern an, für Kinder und Enkelkinder da zu sein, ohne zu bevormunden. Es regt an, Zeugnis für Gott und den Glauben an ihn zu geben. Es regt an zum Gebet für die Lieben, gerade, wenn diese keine eigenen Worte mehr für das Gebet finden können. Selbst die verstorbenen Omas und Opas können noch Fürsprecherinnen und Fürsprecher sein. Sie leben bei Gott, wo es einst einmal ein Wiedersehen mit ihnen geben wird.