Pfarrer Georg Fetsch

Passionsspiele

Es ist beeindruckend, eine Vorstellung der Oberammergauer Passionsspiele zu verfolgen. Es ist ein geschichtsträchtiges Ereignis, mit einem tiefen religiösen Hintergrund. Die Tradition des Spiels reicht weit zurück bis in das Jahr 1633. In Europa wütete der Dreißigjährige Krieg. Immer wieder brachen Infektionskrankheiten aus. So wurde Oberammergau von der Pest heimgesucht. Das ganze Jahr über fielen viele Dorfbewohner der Seuche zum Opfer. Da sahen sich die Bürger veranlasst, ein Gelübde abzulegen. Sie versprachen, dass sie alle zehn Jahre den Leidensweg Christi als Mysterienspiel aufführen würden, sollte die Epidemie aufhören. Das geschah dann tatsächlich innerhalb kürzester Zeit. Die ersten Passionsspiele fanden 1634 statt. Seither beeindrucken sie viele Menschen, bis heute. Nur wenige Male konnte wegen einschneidender Ereignisse wie Krieg oder wie jüngst, aufgrund der Corona-Pandemie, der Zeitrhythmus nicht ganz eingehalten werden.

Mich bewegt bei der Sache der seelsorgliche Hintergrund der Spiele. Sie sind für viele nicht nur ein Theaterstück oder ein Musical, sondern gelebte Glaubensverkündigung. In schwieriger Zeit blickten Menschen auf die Passion Jesu. Sie sahen, dass auch sein Weg alles andere als ein einfacher Weg war. Doch sie sahen auch, dass sein Weg in der Auferstehung und im Leben mündete. Heute sind wir besorgt wegen der drohenden Kriegsgefahr, die wachsende Spaltung in der Gesellschaft verunsichert viele Menschen. Gefährliche Erkrankungen gibt es nach wie vor. Corona ist noch nicht ganz durchgestanden.

Schauen auch wir auch heute in allem Bösen, das uns begegnet, auf den gekreuzigten und auferstandenen Christus, in der Verkündigung der Kirche, aber auch in beeindruckenden Veranstaltungen, wie die Oberammergauer Passionsspiele es sind! Da wird man ruhiger und gelassener im Umgang mit Dingen, die man sowieso nicht ändern kann. Ich habe bei den Passionsspielen wirklich etwas für das Leben mitgenommen und wurde in meinem Dienst für Christus bestärkt!