Pfarrer Georg Fetsch

Die Kathedrale von Chartres

Zu den beeindruckendsten sakralen Bauwerken gehört für mich die Kathedrale Notre-Dame de Chartres, zu Deutsch: Unsere Liebe Frau von Chartres. Die Kirche wurde am 24. Oktober 1260, also vor genau 760 Jahren, geweiht. In Erinnerung sind mir die beiden unterschiedlich gestalteten Spitztürme, die schon von weitem zu sehen sind. Wie mögen sie dem mittelalterlichen Menschen ein eindrucksvolles Bild geboten haben? Des Weiteren sind die drei Hauptportale bedeutend. Sie sind mit einer reichen Ornamentik versehen, die sich in Figuren von Jesus und Maria und vielen Heiligen zeigt. Das Innere ist durch die zahlreichen, filigran gestalteten, Glasfenster in buntes Licht getaucht. In den Fußboden ist ein steinernes Labyrinth eingelassen, das den Besucher anregt, auf meditative Weise den Linien zu seinen Füßen zu folgen. Es symbolisiert auf besondere Art den Weg des Glaubens, der auf verschlungene aber gleichzeitig zielstrebige Weise zur Mitte führt. Nicht zuletzt befindet sich im Gewölbe, in schwindelnder Höhe, eine sogenannte Schwalbennestorgel, die durch ihre exponierte Position, die der Behausung des besagten Vogels ähnelt, die Besucher beeindruckt, von ihren sonoren, für solch ein Gotteshaus äußerst würdigen Tönen ganz zu schweigen.
Wenn ich weiter darüber nachdächte, könnte ich vielleicht noch viel über die Kathedrale von Chartres schreiben. Doch das steht mir gar nicht zu. Da sind ganz andere Experten gefragt, welche die geschichtlichen und kunsthistorischen Belange zu erfassen versuchen, indem sie das Bauwerk vom Fundament bis zu den Turmspitzen analysieren. Bedenkenswert ist darüber hinaus ganz besonders auch die spirituelle Dimension der Kathedrale. Die Baumeister des Mittelalters folgten dem Prinzip, dass sie den Menschen einen Eindruck vom Himmelreich vermitteln wollten. Die aufstrebenden, sich im Deckengewölbe verteilenden Säulen, zogen den Blick der Menschen unwillkürlich nach oben, in die Richtung zu Gott, ihrem Schöpfer, der über und in allem ist.